Wirtschafts- und Finanzexperte hält Kryptowährungen für besser als staatliches Geld

Am Montag, den 26. August 2019 veröffentlichte Focus Online ein Interview mit dem Wirtschafts- und Finanzexperten Thomas Mayer mit dem Titel „Unser Geld ist kaputt! – so ließe sich das System retten„. Mayer, der in seiner langjährigen Karriere unter anderem bei Goldman Sachs oder als Chefvolkswirt bei der Deutschen Bank tätig war, ebenso beim Institut für Weltwirtschaft in Kiel, beim Internationalen Währungsfonds oder als Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute, stellt mit seinen ausführlichen Antworten das aktuelle Geldsystem in Frage und erklärt wie es zu den zahllosen Krisen der letzten Jahre kam.

Kreditgeldschöpfung durch die Banken ist das Grundproblem

Kryptowährungen

Angestoßen wurden seine Überlegungen zu unserem aktuellen Geldsystem nach eigenen Angaben von der schweren Finanzkrise 2007, in der er sich erstmals ganz genau mit der Art und Weise beschäftigte, wie unser Geld erzeugt wird und was dies für Auswirkungen hat. Nachdem sich der erste Teil des Interviews vor allem mit dem aktuellen Handelskrieg zwischen den USA und China beschäftigt, ist seine Antwort auf die Frage, wie das Zusammenbrechen des Geldsystems bei gleichzeitigem Erhalt der Freiheit zu verhindern sei, dass das Grundproblem aus seiner Sicht die Kreditgeldschöpfung der Banken im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft der Geldproduktion von Zentralbanken und Geschäftsbanken ist. Dementsprechend favorisiert er ein System, bei dem die Banken eben kein Geld mehr produzieren.

Rein staatliches Geld ist aber erst recht keine gute Idee

Wer nun denkt, dass sich Mayer wie die meisten Linken noch mehr Macht und Kontrolle durch den Staat wünscht, der irrt sich allerdings. Hier sieht er sogar noch mehr Risiken als Nutzen für die Gesellschaft: „Aber so eine Verstaatlichung des Geldes ist aus meiner Sicht gefährlich! Wenn sich der Staat das Geld aneignet, wird er es nicht zum Wohl der Bürger verwenden, sondern für politische Ziele. Die sind leider oft nicht die Ziele, die jedem nutzen.“ Demnach ist es mit einem einfachen Abschneiden der Geschäftsbanken nicht getan.

Privates Geld als Lösung – auch in Konkurrenz zu Staatsgeld

Im heutigen 21. Jahrhundert, in der die meisten Zahlungen digital abgewickelt werden, sieht er in privatem Geld eine geeignete Lösung für das Problem. Als Beispiel führt er die vielen erfolgreichen Kryptowährungen an, die seit der Erfindung des Bitcoin entwickelt und ausgegeben wurden. Den Bitcoin bezeichnet er gar als größte Leistung nach der Finanzkrise und merkt an, dass Ökonomen nichts Vergleichbares zu Stande gebracht hätten. Vor allem dürfte ihn auch die begrenzte Verfügbarkeit überzeugen, da Bitcoins mittels Rechenprozessen wie Gold „geschürft“ werden und diese immer aufwendiger werden und die Gesamtzahl aller jemals verfügbaren Bitcoins begrenzt ist. Die rechenintensiven Prozesse sind allerdings auch das größte Problem, denn so sind nur ein Bruchteil der Transaktionen pro Sekunde möglich, wie sie etwa bei Visa abgewickelt werden können.

Stable Coins wie die Libra könnten die Lösung sein

Großes Potential sieht er vor dem Hintergrund der extrem schwankenden Kurse vieler klassischer, rein auf Angebot und Nachfrage beruhender Kryptowährungen, bei sogenannten Stable Coins. Diese Kryptowährungen sind an eine klassische Währung oder einen Warenkorb von Währungen oder anderen Sicherheiten gebunden und schwanken daher nur sehr gering im Wert. Als besonders positives Beispiel nennt er die von Facebook entwickelte Kryptowährung Libra, für die auch bereits viele prominente Partner wie Mastercard, Visa, PayPal , Ebay & Co. gewonnen wurden. Die Libra soll dabei an verschiedene existierende Fiat-Währungen angebunden werden und eine alternative Währung zu Staatsgeld sein. Für Deutschland, in dem die Menschen nach wie vor sehr am staatlichen Geld hängen sieht er dabei in naher Zukunft weniger Potential für die Libra von Facebook, in Ländern mit schwachen Währungen wie etwa der Türkei könnte eine solche Kryptowährung aber durchaus eine erfolgreiche Alternativwährung werden.

 

Das gesamte und sehr informative Interview mit dem WirtschaftsexpertenThomas Mayer ist unter dem folgenden Link auf den Webseiten von Focus Online zu finden: https://www.focus.de/finanzen/boerse/interview-mit-wirtschaftsexperten-thomas-mayer-unser-geld-ist-kaputt-aber-das-waehrungs-und-finanzsystem-kann-man-retten_id_11061556.html

One Reply to “Wirtschafts- und Finanzexperte hält Kryptowährungen für besser als staatliches Geld”

  • […] Wie schon andere Politiker, unter anderem Auch aus Deutschland, scheint es ihm also vor allem darum zu gehen, dass eine Krypto-Weltwährung die staatlichen Macht einschränken könnte. Ebenso wie einige Politikekollegen sprach sich der französische Finanzminister daher für eine öffentliche Digital-Währung wie einen E-Euro aus. Eine ganz andere Sicht hat hingegen der Wirtschafts- und Finanzexperte Thomas Mayer, der Kryptowährungen für besser als staatliches Geld h… […]

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